Wie geht es der Uhrenindustrie im Juni 2012?

Erste Warnsignale erreichen uns aus China und Hongkong. Die Nachfrage nach Luxusartikeln lässt nach. Einbrüche von bis zu minus 30 Prozent sollen es sein. Die Junizahlen des Schweizerischen Uhrenverbandes FH sprechen jedoch noch eine andere Sprache.

Die unterschiedliche Sichtweise ergibt sich aus Fakten und Zahlen, die direkt von den betroffenen Märkten stammen und den Zahlen des Schweizerischen Uhrenverbandes. Letztere widerspiegeln naturgemäß nicht so schnell was sich auf den Märkten draußen so tut. Ich hörte zuletzt aber auch, dass einige Fertigungsbetriebe in der Uhrenbranche wieder Kurzarbeit eingeführt haben und andere daran denken dies bald zu tun. Insbesondere Hersteller die über ein dichtes Netzwerk an eigenen Boutiquen und eigen geführten Verkaufsstellen verfügen sind am Puls der Zeit und von da hört man so manches Warnsignal. Alles deutet auf eine schleichende Verlangsamung der Nachfrage hin…

Man wird demnach die kommenden Monate abwarten müssen und schauen wann und ob sich die Rückgänge auch in den offiziellen Zahlen des Schweizerischen Uhrenverbandes niederschlagen.

Was man heute diesen Zahlen entnehmen kann, ist ein Rückgang der Stückzahlen bei einer gleichzeitigen Steigerung des Umsatzes. Das heißt nichts anderes als es werden aktuell immer mehr teurere Uhren verkauft. Besonders Edelmetalle wie Gold boomen ungemein. Ein Zeichen, dass der Konsument auf der Suche nach wahren Werten ist. Und, ein massives Stück Gold am Handgelenk ist ja schon mal ein guter Anfang. Stahluhren verlieren, werden weniger gekauft, erlösen aber immer noch mehr als zuletzt. Also ist deren Durchschnittspreis deutlich angestiegen.

Interessant auch der Umstand, dass einige europäische Länder stark zulegen konnten und einige indes schwächeln. Im Plus sind zum Beispiel Deutschland, Österreich, im Minus Frankreich und Italien…

Ich bleibe für Euch dran und berichte hier am Blog laufend über die Entwicklungen.

Die Bilder zeigen Euch übrigens die letzten Auswertungen des Schweizerischen Uhrenverbandes, die dieser vor wenigen Tagen auf seiner Website publiziert hat.

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9 Kommentare

  1. 96sim sagt:

    Ja, das Wachstum in Deutschland und Österreich ist erstaunlich hoch. Deshalb sollten die Hersteller ihre Kernmärkte nicht vergessen. Was im allgemeinen China-Rausch schon manchem passiert zu sein scheint.

    • Alexander Linz sagt:

      Wo es einst schnell bergauf ging, kann es auch wieder schnell bergab gehen. Die Kernmärkte ganz zu vernachlässigen war bestimmt keine gute Idee. So manche attraktive Uhr kann man bei uns einfach nicht kaufen und in Asien liegen die Dinger gestapelt im Schaufenster…

      Alexander

      • AS sagt:

        Lieber Alexander, eine hervorragende Analyse mit vielen Fragezeichen! Das Wachstum in D – A – HK – CH ist deshalb so hoch, weil chinesische Touristen die führenden Uhrenfachgeschäfte nicht nur dieses Jahr, sondern auch schon davor täglich “bestürmen.” Die Schweizer dürften m.E. auf PLATZ 4 gleich hinter CHINA liegen. Deshalb ist die Furcht in meinen Augen,
        noch, völlig unbegründet. Auf eine Wiederkehr von “GOOD old EUROPE” tippe ich nicht, eher auf einen Einbruch der Geschäfte in Europa, wenn die chinesischen Käufer im eigenen Land kaufen! Doch dazu müsste die Regierung die Luxussteuer wieder außer Kraft setzen! Denn die Luxusuhren sind dort um ca. 25% höher im Preis. Dazu kommt noch, dass die Chhinesen TAXFREE kaufen, was noch einmal den Einkauf zu einem Erlebnis werden läßt! Die Reise hat sich dann doppelt gelohnt
        Ich tippe die Steuer wird noch in 2012, spätestens in 2013 zurückgedreht oder ganz fallen gelassen!!! Dann haben wir wieder normale Verhältnisse in “POOR old EUROPE” und die chinesischen Boutiquen und Watch stores von PEKING bis SHANGHAI das Paradies auf Erden.

        • Alexander Linz sagt:

          AS, ganz klar, dass die Touristen bei uns für ein zusätzliches Business sorgen und uns besser dastehen lassen. Man darf und soll aber die lokale Klientel nicht unterschätzen. Viele Juweliere berichten mir, dass auch Herr und Frau A, CH und D sehr brav einkaufen und die Kassen klingeln lassen. Die letzte Krise hat gezeigt, wer sich zu sehr auf das Touristengeschäft konzentrierte musste ordentliche Rückgänge hinnehmen. Händler die die lokale Kundschaft stets gut behandelt hatten blieben von der Krise nahezu verschont. Good old Europe sollte man nicht unterschätzen.

          Was den Rückgang der Luxussteuer in China betrifft dürftest Du interessante Informationen haben… Woher stammt das? Mir ist das bis dato in der Form noch nicht zu Ohren gekommen…

          Eines ist leider schon wahr: Während hier zu Lande Komplikationen einiger Topmanufakturen (z.B. PPC) Mangelware sind und jederzeit auch an Kundschaft aus A, CH und D verkauft werden könnte, gibt es in Asien teilweise ein Überangebot. Es wurde zuletzt einfach zu viel Ware da hin geliefert…

          Alexander

          • AS sagt:

            Danke für die Antwort! Habe ich verstanden. Kenne aber zu viele Stimmen, die sich – noch – an den Chinesen schadlos halten, und das heimische Klientel dadurch vernachlässigen! Seit einiger Zeit heißt es nicht mehr verkaufen, sondern die WARE “über den Verkaufstresen schieben!” Das ist die Realität, zumindest in D, A, und CH. Der Inlandsumsatz in diesen Ländern ist schon lange rückläufig oder bewegt sich keinesfalls auf dem Wachstumspfad. Italien und Frankreich geben da schon ein realistischeres Bild!

            Und wenn die WARE für Chinesen schon so günstig ist, wird sie halt in die Heimat mitgenommen, und dort
            “in die Fenster gepackt” – dann ist noch mehr da…

            Deshalb habe ich aus vertraulichen Quellen die Information, dass die Luxussteuer fallen muss, um
            a.) einen fairen Wettbewerb herzustellen und
            b. die Binnenwirtschaft in CHINA zu stärken, was sich
            die Regierung im neuen 5-Jahresplan auf die Fahnen geschrieben hat!!! Das weiß man allerdings nur, wenn
            man sich eingehend mit CHINA befasst, und die gute Literatur dazu befragt. Lesen bildet, und Reisen in
            das REICH der MITTE noch mehr. Sorry, wenn das vielleicht ein wenig arrogant klingt! But it is the truth…

          • Alexander Linz sagt:

            Bis jetzt sind das ja alles nur Ankündigungen, das wusste ich auch… Und ich dachte Du hast da schon Konkretes, kannst schon erste Fakten präsentieren. Innerhalb der Partei in China tobt ein Richtungsstreit, die einen wollen Lockerungen, die anderen meinen die Reichen sollen ruhig zahlen und so einen Beitrag für ihr Kand leisten. Außerdem ist bei einer Abschaffung der Luxussteuer nicht zu erwarten, dass die Preise um einen zweistelligen Prozentbereich sinken werden. Ich gehe eher davon aus, dass die Preise in etwa so bleiben und die Konzerne einfach ihre Margen erhöhen… :-) ) Das vermuten übrigens die Chinesen selbsr auch und das ist wiederum Wasser auf die Mühlen der Bremser…

            Nix is fix!

            Alexander

  2. Alexander Linz sagt:

    96sim, das melden mir meine Beobachter auch… Der Halbjahresbericht der Swatch Group 2012 nennt das Problem sogar beim Namen… Es wird somit spannend und ich tippe auf eine Wiederkehr von Good old Europe… :-) )

    Alexander

  3. 96sim sagt:

    Die Zahlen der Industrie spiegeln die Abgabe der Ware an den Handel. Aber im Handel stauen sich die Uhren mittlerweile – sowohl in China als auch in Hong Kong. Kein Wunder also, dass beide Aussagen noch nicht richtig zueinander passen.

    • AS sagt:

      Die Uhren im “high end Bereich” stauen sich überhaupt nicht! Höchstens bei kleinen Händlern, die gehofft haben, dass der “chinesische Bus” auch bei ihnen HALT macht. Tut er aber nicht, weil die Reiseguides dort hin gehen, wo die größte Auswahl ist !
      In D zu Wempe und Bucherer! Der Rest bekommt noch ein paar Häppchen vom großen Kuchen ab. Das gleiche gilt für A (Wien) und CH (Luzern, Zürich und Genf) oder in F (ausschließlich Paris) und GB (auschließlich London). Oder in die eigenen Boutiquen von SWATCH,
      RICHEMONT oder LV – da bekommen Sie die volle “BRAND-Auswahl” und keinen Rabatt…und die Konzerne haben die volle Wertschöpfung und Kontrolle über den globalen Markt. Kein Wunder, dass die “big player” eine Boutique nach der anderen eröffnen. Herr HAYEK spricht von ca. 20 neuen Brandstores in D alleine…